„Der Beat deines Lebens“begeisterte an zwei ausverkauften Abenden in Bad Rodach.

Wer bislang glaubte, den menschlichen Körper nur aus Biologiebüchern oder vom letzten Arztbesuch zu kennen, wurde Mitte Mai in der Gerold-Strobel-Halle eines Besseren belehrt. Zwei ausverkaufte Vorstellungen des Musicals „Der Beat deines Lebens“ der Grund- und Mittelschule Bad Rodach und der Mittagsbetreuung Wirbelwind nahmen das Publikum mit auf eine ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Reise durch den Körper von Mia – und bewiesen dabei eindrucksvoll, dass Herz, Lunge und Gehirn deutlich mehr Rhythmusgefühl besitzen, als man ihnen gemeinhin zutraut.

Mia liegt krank im Bett und wird von ihren Eltern in den Schlaf gesungen. Als sie wieder aufwacht, befindet sie sich plötzlich mitten in ihrem eigenen Körper. Gemeinsam mit ihren treuen Teddybären Wilhelm und Wilma steigt sie in den Blutzug und es beginnt eine abenteuerliche Entdeckungsreise durch die faszinierende Welt des menschlichen Organismus.

Gleich zu Beginn begegnen sie dem Herz, dessen gefühlvolle Ballade sicher für einen der bewegendsten Momente des Abends sorgte. Aus dem Publikum waren vereinzelt Taschentücher im Einsatz zu beobachten – ein untrügliches Zeichen dafür, dass nicht nur die Herzen auf der Bühne funktionierten.

Weiter ging die Reise mit dem Blutzug, dessen selbstbewusste Schaffnerin samt Servicepersonal die drei souverän durch die verschiedenen Stationen des Körpers begleitete. Die Deutsche Bahn dürfte bei so viel Pünktlichkeit und freundlichem Service durchaus neidisch geworden sein. Verspätungen waren ausschließlich dramaturgischer Natur.

Ein besonders entspanntes Ziel waren die Lungenbestandteile. Zwischen Hawaii-Blumenketten, guter Laune und tiefen Atemzügen wurde die Botschaft schnell klar: Erst einmal tief durchatmen, dann lebt es sich leichter. Eine Erkenntnis, die im Alltag vermutlich häufiger gebraucht werden könnte. Hanu-Mua-Loa.

Für Spannung sorgten die gefürchteten Viraten, die den Körper in Aufruhr versetzten. Allerdings hatten sie nicht mit der Entschlossenheit von Mia, den Teddys und der Zellpolizei gerechnet. Unterstützt von den rappenden Hirnis wurde der Kampf gegen die Eindringlinge mit viel Witz, Musik und Energie ausgetragen. Kriminelle Karrieren innerhalb dieses Körpers waren damit nur von kurzer Dauer.

Was an diesen beiden Abenden so selbstverständlich und leicht wirkte, hatte allerdings eine lange Vorbereitung. Immer wieder trafen sich die jungen Darstellerinnen und Darsteller nachmittags in der Schule, um Texte, Lieder, Szenen und Abläufe einzustudieren. Einen besonderen Höhepunkt bildete dabei die gemeinsame Probennacht in der Gerold-Strobel-Halle. 55 Kinder der zweiten bis sechsten Klassen verbrachten dort nicht nur die Nacht miteinander, sondern arbeiteten in zwei intensiven Probenblöcken am Abend und am nächsten Morgen an den letzten Details: Wer sitzt wo? Wer läuft wann wohin? Und wann kommt der eigene Einsatz? Zwischen konzentrierter Probenarbeit, Pizza, Kino, wenig Schlaf und viel gemeinsamem Lachen wuchs dabei immer mehr von dem zusammen, was wenige Wochen später auf der Bühne so selbstverständlich wirkte.

Überhaupt überzeugten die jungen Darstellerinnen und Darsteller mit starken Stimmen, beeindruckender Spielfreude und einer Bühnenpräsenz, die man nicht einstudieren kann, sondern die entsteht, wenn Begeisterung auf Mut trifft. Mit Feuereifer war auch der Chor der ersten bis vierten Klassen dabei und verlieh den großen Musicalnummern zusätzliche Strahlkraft.

Vor dem zweiten Akt begeisterte ein schwungvoller Pausentanz unter dem Motto „Sei wie du bist, denn die anderen gibt es schon.“ Die Botschaft passte perfekt zum Musical und wurde vom Publikum mit großem Applaus belohnt. Gleichzeitig erinnerte sie daran, worum es bei solchen Projekten eigentlich geht: nicht darum, perfekt zu sein, sondern gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, das keiner allein schaffen könnte.

Hinter den Kulissen wurde ebenfalls Großartiges geleistet. Mit viel Kreativität, Geduld und handwerklichem Geschick sorgten die Kolleginnen der Mittagsbetreuung für professionelle Schminke und fantasievolle Verwandlungen. So wurden aus Schülerinnen und Schülern Herzen, Hirnzellen, Lungenbestandteile und viele weitere Figuren, die die Reise durch Mias Körper lebendig werden ließen.

Besonders aufmerksam verfolgte auch der Autor des Musicals, der aus Stuttgart angereist war, beide Aufführungen. Begeistert beobachtete er, wie die Kinder von Szene zu Szene über sich hinauswuchsen und sich sogar von Abend zu Abend noch steigerten. Ebenso angetan zeigte er sich von der kleinen Stadt Bad Rodach und kündigte an, gerne gemeinsam mit seinen beiden Schwestern und Mitautorinnen wiederzukommen.

Im großen Finale wurde schließlich noch die 50-jährige ThermeNatur besungen, die – so die augenzwinkernde Botschaft des Stücks – bei regelmäßigem Besuch den Viraten kaum eine Chance lässt. Als anschließend bunte Luftballons durch die Halle schwebten und langanhaltender Applaus aufbrandete, war endgültig klar: Die Viraten waren besiegt, die Herzen erobert und der Beat des Lebens hatte ganz Bad Rodach angesteckt – glücklicherweise eine der wenigen Ansteckungen, die ausdrücklich erwünscht sind.

Vielleicht lag die eigentliche Besonderheit dieser beiden Abende nicht nur in den Liedern, Kostümen oder den einfachen, aber liebevoll gestalteten Kulissen. Sie lag in dem, was auf keiner Bühne dauerhaft festgehalten werden kann: in den aufgeregten Minuten vor dem Vorhang, in den heimlichen Blicken hinter die Kulissen, im gemeinsamen Lachen nach kleinen Pannen und in dem Stolz, mit dem die Kinder nach dem Schlussapplaus auf der Bühne standen.

Schulleiterin Manuela Oppel griff in ihren Worten die zentrale Botschaft des Musicals auf. So wie Herz, Lunge, Gehirn und unzählige weitere Teile des Körpers nur im Zusammenspiel funktionieren, entsteht auch eine starke Gemeinschaft erst dann, wenn jeder seinen Beitrag leistet. Die Kinder hätten gemeinsam etwas Großartiges geschafft, betonte sie.

Und vielleicht war genau das die schönste Erkenntnis dieser beiden Abende: Jeder trägt seinen ganz eigenen Rhythmus in sich – doch erst gemeinsam entsteht daraus der Beat des Lebens.

Ein Musical endet zwar mit dem letzten Lied. Was bleibt, sind Erinnerungen, Freundschaften und das Wissen, gemeinsam etwas geschaffen zu haben, das genau so nur an diesen beiden Abenden existierte und nie wieder ganz genauso stattfinden wird.